Das illustrierten Werkverzeichnis der

Holz-Stecherin Maria Bauer-Klimbacher in 2 Bänden

 

Eine große Graphikerin des letzten Jahrhunderts hat uns zum Eingang eines neuen Jahrtausends für immer verlassen. Nicht vergessen bleibt ihr umfangreiches Werk, welches sie uns hinterließ.

Die Rede ist von der am 20. August 1911 in Wien geborene und am 19. Februar 2000 in Nürnberg verstorbene Holzstecherin Maria BAUER-KLIMBACHER.

Es gibt eine Reihe von Aufsätzen und Aufzeichnungen über ihr künstlerisches Werk und wer sich mit den Arbeiten dieser bescheidenen Künstlerin beschäftigt, ist sehr schnell Fähigkeiten und von den Darstellungen ihrer Motive begeistert.

So ist es auch Jürgen GÜRTZGEN!

Seine zunächst recht kleine Sammlung war immer eine Augenweide für ihn und erfreute ihn in manch schweren Stunde. Ihre mit äußerster Präzision und viel Liebe gestochenen kleinen Kunstwerke werden von Kunstkennern gerne gesammelt. Leider ist die Arbeit im und mit dem Holz nicht mehr so gefragt, obwohl gerade sie die älteste Drucktechnik ist. Heute ist das „Blatt in C“ die Krone der Schöpfung und des Sammlers. Hier ist zu wünschen, dass der Holzschnitt oder Holzstich neben den „moderneren“ Techniken der graphischen Darstellungen wieder einen gleichwertigen Platz finden.

Jürgen GÜRTZGEN will nun diese schönen kleinen Arbeiten einem größeren Kreis zugänglich machen, - vor allen Dingen sollten auch die restlichen Werke in einem Buch zu sehen sein -. und erstellte deshalb ein bebildertes Werkverzeichnis mit einer zusätzlichen Listendarstellung ihrer Arbeiten.

Das war sicher nicht einfach. Unterstützung fand er bei Sunhild BAUER-SIGNOROTTO, Tochter der Künstlerin, die ihm den gesamten Nachlass zur Bearbeitung überließ.

 

Es gab eine Reihe von Problemen bei der Erstellung dieser Bände zu bewältigen. Frau BAUER-KLIMBACHER hatte nur recht sporadisch ihre Arbeiten in schriftlicher Form festgehalten. Jahresangaben waren, ebenso wie die Einteilungen ihrer Werke in Kategorien, nur spärlich vorhanden. Wie sollte man nun an die Arbeit gehen, um alle diese unterschiedlichen Werke zu archivieren und dann übersichtlich darzustellen?

 

GÜRTZGEN erstellte und listete sie in numerischer Folge auf. Bei den Arbeiten ging er nicht nach dem teilweise ungenauen Erstellungsdatum, sondern nach Namen oder Motiven vor. Nach fast 18-monatiger Arbeit liegt nun das großartige Ergebnis in zwei hervorragend gestalteten Bänden vor.

 

Die Werkliste, als Datenbank erstellt, umfasst insgesamt 820 Arbeiten. In den beiden Bänden sind mehr als 800 Abbildungen in bester Fotoqualität, überwiegend in Farbe gedruckt, zu sehen.

 

Unterstützung wurde Jürgen GÜRTZGEN dabei von:

Frau Sunhild BAUER-SIGNOROTTO, Nürnberg;

Herrn Dr. Ottmar PREMSTALLER, St. Georgen, Österreich;

Frau Isolde KERN, Mosbach;

Herrn Rudolf RIESS, Nürnberg;

Frau Dr. Inge NECHWATAL, Kronach;

Frau Erika SELLE, Wentorf;

Herrn Horst GEBAUER, Leipzig;

Herrn Manfred BAUMÜLLER, Fürth.

 

Ohne deren Hilfe wäre es nicht möglich gewesen, dieses bebilderte Werkverzeichnis zu erstellen.

 

Danken möchte Jürgen GÜRTZGEN ganz besonders seiner Frau Ilse, der er diese beiden Bände widmet.

 

Auf der Jahrestagung der DEG in Nürnberg sind die Bücher einem größeren Publikum vorgestellt worden. Die Resonanz auf das Druckwerk war äußerst positiv. Die Auflage ist begrenzt auf insgesamt 50 nummerierte Exemplare.

 

Technisches zu dem Buch:

 ....erlaubt die Darstellungen der Werke in bester Fotoqualität. Jede Abbildung wurde „von Hand“ gescannt und teilweise mit einem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet. Einige Arbeiten wurden bewusst „alt“ belassen. Zur Bindung! Deckeneinband in Leinenstruktur - Farbe: Bordeaux, versehen mit Titelaufdruck auf Trägerpapier.


Dieses Druckwerk erhebt nicht den Anspruch, eine bibliophile Rarität zu sein! Dafür sind die Erstellung und der Druck zu technisch. Alles ist mit viel Liebe „von Hand gemacht“. Seien Sie versichert, dass das Blättern in den beiden Bänden viel Freude macht!!, sagte mir Jürgen GÜRTZGEN. Diese Einschätzung teile ich ohne Einschränkungen.

 

Klaus THOMS, Geldern

 

Aus Mitteilungen der DEG, 2005, 2, Seite 39 f

Biografie

Maria Bauer-Klimbacher

 

Am 20. August 1911 wurde Maria Klimbacher als Älteste von fünf Geschwistern in Wien geboren. Sie war von ihrem Naturell gezeichnet, im Umgang mit ihren Geschwistern Liebe und Verantwortung zu zeigen und zu geben. Dieses begleitete die schüchterne Maria Klimbacher ein Leben lang, was sich vor allem in den Motiven ihres künstlerischen Schaffens zeigte.

Auf Wunsch ihrer Eltern absolvierte sie zuerst jedoch die Handelsschule, um danach die „sichere“ Ausbildung als Postsparkassen-Beamtin anzutreten. Ihre Gedanken waren aber schon zu diesem Zeitpunkt auf eine spätere künstlerische Tätigkeit ausgerichtet.

Im September 1927 begann sie, gerade 16 Jahre alt, ihr Studium an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt (Bundesanstalt) in Wien, Abteilung für manuelle Graphik, das sie am 5. Juli 1930 mit sehr gutem Erfolg abschloss. Während des Studiums, sie hatte sich inzwischen dem Jugendbund „Adler und Falken“ angeschlossen, fertigte sie ihren ersten Holzschnitt.

Wie sie in anderen Aufzeichnungen ausführte, ist es hier eine Initiale zu „Mutter Witsch“, einem Reigentanz, den sie selbst noch mit seinem plattdeutschen Text: „Modder Witsch, Modder Witsch, kiek mi mol an...“ getanzt hatte.

In der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, eine Anstalt mit bekanntestem Lehrpersonal, vermittelte ihr Professor Leo Frank im praktischen Fach Holzschnitt die künstlerischen und technischen Grundlagen. Weitere Lehrer für sie waren dort die Herren Franz Renner und Erwin Puchinger.

Ihre künstlerische Tätigkeit begann sie direkt nach der Studienzeit und hier war es dann Karl Haselböck, ein Alfred Cossmann - Schüler, der ihr den Weg zum Holzschnitt zeigte.

Bis zum Jahre 1937 arbeitete Maria Klimbacher noch weiter in ihrem erlernten Beruf. Sie nahm sich jedoch an den Mittagen selbst so viel Freizeit, dass sie sich ihrem künstlerischen Arbeiten gut widmen konnte. So arbeitete sie für Verlage und illustrierte Druckwerke. Ihre Vielseitigkeit stellte sie auch unter Beweis, indem sie Textilentwürfe für eine Weberei machte und für Ausstellungen diverse Arbeiten (Schrift sowie Wandtafeln) ausführte.

In der Zeit von 1930 bis 1937 entstanden so schon Holzschnitte (Holzstiche) als Exlibris und in der Gelegenheitsgraphik eine Anzahl von Geburts-, Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen.

1937 war sie als freiberufliche Künstlerin viel in österreichischen Städten und Ländern unterwegs, um die handwerkliche Volkskunst zu pflegen. Ein eindrucksvolles Beispiel war die Jugendherberge am Faaker See, deren Möbel und Wände sie mit Bauernmalerei ausstattete. In dieser kreativen Phase fand sie immer wieder die Möglichkeit, in Werkkursen ihr Wissen an andere Interessierte weiter zu geben.

Später, in den Jahren 1943 – 1945, hielt sie im Bayrischen Wald so viele dieser Kurse ab, dass sie kaum noch Zeit und Ruhe für ihr eigenes Werken fand.
1945 - 1946 arbeitete sie in Bayreuth. Rückblickend sagte die Künstlerin von sich, dass diese Zeit für sie ein sehr produktives Jahr war.

Im Herbst 1946 kam sie dann nach Nürnberg, wo sie nach dem Tod einer Bekannten deren zwei kleine Mädchen betreute. Am 2. August 1947 heiratete sie den Witwer Fritz Bauer und Maria (Mitzl) Bauer-Klimbacher schenkte ihrem Mann noch zwei Kinder (einen Sohn und eine Tochter).

Durch die Kinder, Haus, Haushalt und Garten blieb nur noch wenig Zeit zur künstlerischen Beschäftigung. Erst als die Kinder größer und selbständiger geworden waren, fand Frau Bauer-Klimbacher wieder Zeit, sich dem geliebten Holzschnitt zuzuwenden. Sie fertigte dann über die Jahre diverse künstlerische Arbeiten. Ihr Lieblingsmotiv waren Kinder. Kunstvoll und feingliedrig gestaltete sie die Arbeiten, die sie mit besonderer Sorgfalt kolorierte.

In den letzten Jahren wurde es um Maria Bauer-Klimbacher still. Die zarte, kleine Dame hatte ihre Kraft verbraucht. Geistig rege bis zuletzt, war ihr Augenlicht schwach geworden. Ihre Kontakte erfüllte sie deshalb überwiegend telefonisch. Jedoch blieben ihr Interesse an der Kunst und ihre Beziehung zu ihren vielen Freunden in Deutschland und Österreich bis zu ihrem Tod bestehen. Obwohl sie viele Jahre in Deutschland gelebt hatte, war sie zeitlebens mit ihrer Heimat Österreich aufs Engste verbunden.

Am 19. Februar 2000 ging ein schönes, nicht immer unbeschwertes Leben einer bescheidenen Künstlerin zu Ende. Am 22. Februar 2000 wurde Maria Bauer-Klimbacher in Nürnberg zu Grabe getragen.

 

Jürgen GÜRTZGEN

Maria Bauer-Klimbacher in memoriam

 

Im Jahre 1934 gab es im Jahrbuch der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft einen Aufsatz über die junge Kunststudentin Maria Klimbacher. Sie wurde mit dieser Publikation und einer Exlibris-Arbeit erstmals öffentlich vorgestellt. Maria Klimbacher war damals noch in der Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien unter der Obhut des Fachdozenten Prof. Leo Frank. In dieser Zeit gab es in Wien kompetente Kenner und Freunde der grafischen Kunst, darunter auch den bekannten Sammler von Kleingrafik, Magister Marco Birnholz. So war es gewiss kein Zufall, dass dieses vorgestellte Erstlingswerk ein Neujahrswunsch für Marco Birnholz war.

 

Auch im Jahrbuch 1935 findet sie erneut Erwähnung mit einem Exlibris für Ruth Birnholz und war seit dieser Zeit auch Mitglied der ÖEG. Schon in dieser frühen Arbeit können wir die Grundlagen für das weitere künstlerische Schaffen der Maria Klimbacher deutlich erkennen. Ein Kind reitet auf einer Birne, noch etwas zaghaft in den gestochenen Linien dargestellt. Doch die Umsetzung eines Gedankens in die vom Holzschnitt verlangte Klarheit hat sie mit dieser frühen Arbeit bereits so trefflich gemeistert, wie später in all ihren liebenswerten Schnitten mit Kindermotiven. Das Thema „glückliche Kinder“ begegnet uns immer wieder im gesamten Oeuvre der Künstlerin. Hier besteht vielleicht oder bestimmt ein direkter Zusammenhang zur eigenen Kindheit der Maria Klimbacher. Sie war die Älteste von fünf Geschwistern und hat somit schon im frühen Kindesalter erleben können, was Mutterliebe ist und wurde dadurch geprägt. Die Liebe zu Kindern war also ihrem Fühlen von Natur aus mitgegeben.

 

Geboren am 20. August 1911 in Wien, besuchte sie nach 2 Klassen Handelsschule 3 Jahre die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien unter den Professoren Leo Frank, Puchinger und Renner. Danach war sie einige Jahre an der Österreichischen Postsparkasse beschäftigt, bevor sie ab 1937 freiberuflich als Graphikerin tätig werden konnte.

 

Bald stellten sich Anfragen zur Gestaltung grafischer Blätter ein, die sie in der von ihr so geliebten Technik des Holzstiches ausführte. Auch Entwürfe für Wand- und Dekorationsmalerei schuf sie in dieser Zeit und war auch schon als Illustratorin für Buchverlage tätig. Ihr weiterer Lebensweg führte sie dann als junge Dozentin für handwerkliche Volkskunst nach Salzburg und Kärnten, in den Bayerischen Wald und nach Bayreuth.

Nach dem Tod einer guten Freundin im September 1946, die ihren Ehemann und zwei kleine Mädchen zurücklassen musste,

war es für Maria Klimbacher selbstverständlich, für die mutterlos gewordenen Kinder zu sorgen, so wie sie es der Freundin versprochen hatte. 1947 heiratete Maria Klimbacher den Vater der ihr liebgewordenen Kinder und die neue Familie vergrößerte sich in den nächsten Jahren, denn Frau Bauer-Klimbacher – wie sie jetzt hieß – schenkte noch zwei eigenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, das Leben.

 

Nun musste das künstlerische Schaffen der Frau Bauer-Klimbacher erst einmal zurückgestellt werden, denn die Pflichten als Ehefrau und Mutter einer vierköpfigen Kinderschar hatten Vorrang. Die Familie lebte inzwischen in Nürnberg.

 

1979, auf der Jahresversammlung der DEG in Nürnberg, traf Frau Bauer-Klimbacher nach 39 Jahren wieder mit Herrn Dr. Kreyenberg zusammen. Diese Wiedersehen beschreibt Herr Dr. Kreyenberg in einem Aufsatz, der in den Mitteilungen der DEG vom Juni 1980 abgedruckt ist. Wörtlich heißt es: Ganz schüchtern fragte sie (Frau Bauer-Klimbacher) mich, ob ich mich wohl ihrer erinnerte, sie wäre künstlerisch kaum noch tätig, hätte das Holzschneiden fast verlernt. Familie, Haus, Garten - aber die Kinder wären größer geworden. Da war es verständlich - so Herr Dr. Kreyenberg -, dass ich sie bat, mir dieses Jahr die Neujahrsanzeige zu machen. Dann kamen nach 4 Wochen einige Entwürfe und am 1. Advent der Holzstock. Weiter schrieb damals Dr. Kreyenberg: „ Warum ich diese Geschichte erzähle? Nun, ich glaube, wir haben eine alte neue Grafikerin für unsere Klein-Grafik (wieder) gewonnen. Wir haben so wenig gute Holzschneider in Deutschland.“

 

Wie wahr hat doch der Ehrenpräsident der DEG damals gesprochen. Viele Arbeiten von Maria Bauer-Klimbacher, die dann damals wieder entstanden - ob Exlibris oder Familiengrafik -, zeigen, dass ihr die Liebe zu ihrer Kunst nicht abhanden gekommen war, und sie ihr handwerkliches Können noch sicher beherrschte, so wie sie es in jungen Jahren in ihrer Heimatstadt Wien einmal gelernt hatte.

 

Ich bin glücklich, dass ich Maria Bauer-Klimbacher in den letzten 20 Jahren ihres Daseins habe öfters begegnen dürfen.

 

Februar 2001

Rudolf RIESS

 

 

(Der vorliegende Artikel wurde von Rudolf Rieß, Nürnberg, für das Jahrbuch der Österreichischen Exlibris Gesellschaft verfasst und dort veröffentlicht)   

 

12 Holzstiche von Maria Bauer-Klimbacher

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